Michael Bitzer – Fluthilfe im Ahrtal

Michael Bitzer

„Was nicht zur Tat wird hat keinen Wert!“ – „A friend in need is a friend indeed!“
Diese beiden Sätze begleiten mich schon viele Jahre. Den ersten hat mein Vater in unserer
Familie geprägt. Mitte Juli dann die Flut im Ahrtal. Ich ringe mit mir. Hinfahren und helfen oder
nicht? Ein Pastorenkollege war schon dort zum helfen. Sein Vorbild und ein Telefonat mit ihm
hat mich vollends überzeugt – ich fahre auch hin! Mit einer ordentlichen Portion Respekt und
auch Angst vor dem, was mich dort erwarten wird. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt.
Aber ich konnte einfach nicht länger daheim sitzen und aus der Distanz beobachten. Es sind ja
meine Glaubens-Geschwister in der FeG Rheinbach, auch wenn ich bisher niemanden dort
kenne. Und es sind Menschen im Ahrtal, die Hilfe brauchen.
Ein weiterer Mann aus Augsburg hat mich begleitet, er hat von meinem Vorhaben erfahren
und wollte auch mithelfen. So waren wir schon zu zweit. Am 1. August sind wir losgefahren.
Bis zum 5. August wollten wir bleiben.
Die hervorragende Organisation der FeG Rheinbach hat es uns sehr erleichtert. Es war alles
unproblematisch. Übernachtung: wird organisiert! Verpflegung: So viel kann man gar nicht
essen und trinken, wie angeboten wird.
Die Einweisung am Montag früh von den Verantwortlichen der FeG Rheinbach: sehr hilfreich!
„Ihr dient den Menschen! Zuerst mit Taten, dann gegebenenfalls auch mit Worten“. Das hilft
mir!
Die Arbeit: Am Montagvormittag Fliesen raustragen aus dem UG bei einem Mann, der selbst
einen Bandscheibenvorfall hat und selbst wenig tun kann. Schweisstreibend, aber bald
erledigt.
Ab Montagnachmittag dann mitten rein ins Ahrtal, nach Altenburg. Durch die Bilder in den
Medien war ich vorbereitet, es aber dann live zu sehen war echt krass! Das werde ich wohl nie
vergessen.
Unsere Aufgabe in Altenburg: Schlamm und Hausrat raustragen aus einem Keller. Das Haus
war bis zur Mitte des 1. OG unter Wasser gestanden. Man konnte den „Pegelstand“ noch an
der Hausmauer aussen erkennen. Der Schlamm stand am Montag in zwei Kellerräumen noch
ca. einen Meter hoch. Die Feuerwehr hatte das Wasser bereits abgepumpt.
Die Hausbesitzerin: alleinerziehend, sie hatte anscheinend wenig Unterstützung bisher. Ein
Sohn mit Hirntumor. Das Haus nicht versichert. Über „Umwege“ kam man an sie. Gott sei
Dank war sie in der Schreckensnacht im Urlaub. Sie hat überlebt! Einige Dorfbewohner nicht.
„Man kennt sich“, sagt sie uns und sie denkt an Nachbarn und Dorfbewohner, die die
Katastrophe nicht überlebt haben. Und wir sind sehr gerne bereit und motiviert, ihr zu helfen!
Das Teambuilding läuft in 5 Minuten! Das Ziel war klar: Der Schlamm muss raus aus dem
Keller! Jede und jeder packte an. Eine lange Menschenkette von 8 – 10 Personen aus dem
Keller ins Freie. Und es lief super! Und dauerte bis Donnerstagnachmittag! Aber dann waren
wir fertig und man konnte im Keller wieder ohne Gummistiefel laufen und die Bodenfliesen
waren durchgängig sichtbar. Im EG und im 1. OG waren weitere 8 – 10 Personen ebenfalls
sehr fleißig und haben den Estrich rausgeschlagen und die Dämmung in den Wänden
entfernt. Wir wollen alles versuchen, dieses Haus zu retten! Dazu muss es möglichst schnell
trocken können.
Die Hausbesitzerin hat mich tief beeindruckt: Sie hat uns zur Einweihungsparty eingeladen!
Auch wenn noch nicht letztlich klar war, ob ihr Haus überhaupt erhalten werden kann. Sie war
so ermutigt durch die vielen Helfer, die ihr täglich und kostenlos geholfen haben! Das hat uns
dann wiederum motiviert, weiterzumachen und die nächsten Eimer mit Schlamm nach
draussen zu tragen.
Ja, die Stimmung war gut! Und wir haben auch gelacht miteinander. Es sind Freundschaften
entstanden! Es waren zutiefst sinnvolle Stunden im Ahrtal!
Was bleibt:

– Eine unglaublich intensive und sinnvolle Zeit mit Eindrücken, die ich nie vergessen werde.
Wir konnten dienen und Hoffnung bringen.
– Große Dankbarkeit für ein grandioses Miteinander mit mir bis dahin unbekannten Menschen
– Große Zuversicht, dass in der Not so manches so gut funktioniert. Und die Sehnsucht, dass
dazu nicht immer eine Not nötig sein muss.
– Große Freude über ein unerwartetes Wiedersehen mit Pastorenkollegen aus ganz
Deutschland (danke, Friederike, Christian, Matthias!!!)
– Große Erleichterung, dass sich niemand aus unserem Team ernsthaft verletzt hat
– Ein ganz herzlicher Dank an die FeG Rheinbach und die EfG Siegburg mit ihren vielen Leuten,
ihr seid der Hammer!
– Respekt und Dankbarkeit für das unkomplizierte Miteinander mit dem THW und den
Baggerfahrern
– Gespannte Erwartung, wie es weitergehen wird.

Ich werde wiederkommen – spätestens zur Einweihungsparty!
Michael Bitzer, FeG Augsburg-Mitte

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