Category Archives for "Bericht"

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Felix Frischlich – Diese Zeit hat mein Leben verändert…

Ich bin ein Mensch mit einem Helferherz. Immer wenn ich in den Medien die Katastrophen sehe, würde ich gerne hinfahren und helfen.
Als sich die Katastrophe um Ahrtal ereignete war ich in Holland und wusste sofort: „Da musst du hin!“, aber ich wusste nicht wie…
Dann teilte ein Freund seinen Plan mit, an einem Samstag zur Feg Rheinbach zu fahren. Ich musste nicht überlegen und habe sofort zugesagt.
Bei meinem ersten Einsatz bin ich dann nur vor Ort in Rheinbach geblieben, aber ich wollte mehr machen. Am Montag habe ich meinen Vorgesetzten und meine Kolleginnen gefragt und diese haben mir 4 Tage Urlaub ermöglicht, damit ich vor Ort helfen kann.
Als ich dann allerdings zum ersten Mal ins Ahrtal gefahren bin, traf es mich wie ein Schlag. Das Ausmaß der Zerstörung und das Leid der Menschen waren unvorstellbar!! Ich habe lange gebraucht, bis ich wirklich ankam, mental ankam. Doch nach 90 Minuten war ich endlich voll drin und wusste, dass es der richtige Ort, dass ich jetzt hier sein sollte.
Ich blieb 5 Tage und diese Zeit hat mein Leben verändert…
Ich habe mir eine Seelsorgerin gesucht, weil die ganzen Eindrücke, Geschichten, Schicksale, Bilder zu hart für meine Seele waren und ich das nicht gut verarbeiten konnte. Aber ich kehre zurück.
Ich kehre zurück, weil Menschen Hilfe brauchen; ich kehre zurück, weil die Menschen unglaublich dankbar für den Einsatz sind; ich kehre zurück, weil mein Herz in diesem Leid nicht einfach zu sehen kann.
Diese unglaubliche Solidarität, das Miteinander und füreinander da sein, das möchte ich weitergeben, das möchte ich mit Leben füllen und auch in die Gesellschaft tragen. Wir stehen an der Seite von unseren Mitmenschen und nur darauf kommt es an. Ja, ich habe Zeit, Geld und anderes geopfert, aber es ist kein sinnloses Opfer, sondern eine Investition in Menschen und in die Nächstenliebe. Ich würde es wieder so machen und werde weiterhelfen!
Helfen kann jeder! Auch Du!

Michael Bitzer

Michael Bitzer – Fluthilfe im Ahrtal

„Was nicht zur Tat wird hat keinen Wert!“ – „A friend in need is a friend indeed!“
Diese beiden Sätze begleiten mich schon viele Jahre. Den ersten hat mein Vater in unserer
Familie geprägt. Mitte Juli dann die Flut im Ahrtal. Ich ringe mit mir. Hinfahren und helfen oder
nicht? Ein Pastorenkollege war schon dort zum helfen. Sein Vorbild und ein Telefonat mit ihm
hat mich vollends überzeugt – ich fahre auch hin! Mit einer ordentlichen Portion Respekt und
auch Angst vor dem, was mich dort erwarten wird. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt.
Aber ich konnte einfach nicht länger daheim sitzen und aus der Distanz beobachten. Es sind ja
meine Glaubens-Geschwister in der FeG Rheinbach, auch wenn ich bisher niemanden dort
kenne. Und es sind Menschen im Ahrtal, die Hilfe brauchen.
Ein weiterer Mann aus Augsburg hat mich begleitet, er hat von meinem Vorhaben erfahren
und wollte auch mithelfen. So waren wir schon zu zweit. Am 1. August sind wir losgefahren.
Bis zum 5. August wollten wir bleiben.
Die hervorragende Organisation der FeG Rheinbach hat es uns sehr erleichtert. Es war alles
unproblematisch. Übernachtung: wird organisiert! Verpflegung: So viel kann man gar nicht
essen und trinken, wie angeboten wird.
Die Einweisung am Montag früh von den Verantwortlichen der FeG Rheinbach: sehr hilfreich!
„Ihr dient den Menschen! Zuerst mit Taten, dann gegebenenfalls auch mit Worten“. Das hilft
mir!
Die Arbeit: Am Montagvormittag Fliesen raustragen aus dem UG bei einem Mann, der selbst
einen Bandscheibenvorfall hat und selbst wenig tun kann. Schweisstreibend, aber bald
erledigt.
Ab Montagnachmittag dann mitten rein ins Ahrtal, nach Altenburg. Durch die Bilder in den
Medien war ich vorbereitet, es aber dann live zu sehen war echt krass! Das werde ich wohl nie
vergessen.
Unsere Aufgabe in Altenburg: Schlamm und Hausrat raustragen aus einem Keller. Das Haus
war bis zur Mitte des 1. OG unter Wasser gestanden. Man konnte den „Pegelstand“ noch an
der Hausmauer aussen erkennen. Der Schlamm stand am Montag in zwei Kellerräumen noch
ca. einen Meter hoch. Die Feuerwehr hatte das Wasser bereits abgepumpt.
Die Hausbesitzerin: alleinerziehend, sie hatte anscheinend wenig Unterstützung bisher. Ein
Sohn mit Hirntumor. Das Haus nicht versichert. Über „Umwege“ kam man an sie. Gott sei
Dank war sie in der Schreckensnacht im Urlaub. Sie hat überlebt! Einige Dorfbewohner nicht.
„Man kennt sich“, sagt sie uns und sie denkt an Nachbarn und Dorfbewohner, die die
Katastrophe nicht überlebt haben. Und wir sind sehr gerne bereit und motiviert, ihr zu helfen!
Das Teambuilding läuft in 5 Minuten! Das Ziel war klar: Der Schlamm muss raus aus dem
Keller! Jede und jeder packte an. Eine lange Menschenkette von 8 – 10 Personen aus dem
Keller ins Freie. Und es lief super! Und dauerte bis Donnerstagnachmittag! Aber dann waren
wir fertig und man konnte im Keller wieder ohne Gummistiefel laufen und die Bodenfliesen
waren durchgängig sichtbar. Im EG und im 1. OG waren weitere 8 – 10 Personen ebenfalls
sehr fleißig und haben den Estrich rausgeschlagen und die Dämmung in den Wänden
entfernt. Wir wollen alles versuchen, dieses Haus zu retten! Dazu muss es möglichst schnell
trocken können.
Die Hausbesitzerin hat mich tief beeindruckt: Sie hat uns zur Einweihungsparty eingeladen!
Auch wenn noch nicht letztlich klar war, ob ihr Haus überhaupt erhalten werden kann. Sie war
so ermutigt durch die vielen Helfer, die ihr täglich und kostenlos geholfen haben! Das hat uns
dann wiederum motiviert, weiterzumachen und die nächsten Eimer mit Schlamm nach
draussen zu tragen.
Ja, die Stimmung war gut! Und wir haben auch gelacht miteinander. Es sind Freundschaften
entstanden! Es waren zutiefst sinnvolle Stunden im Ahrtal!
Was bleibt:

– Eine unglaublich intensive und sinnvolle Zeit mit Eindrücken, die ich nie vergessen werde.
Wir konnten dienen und Hoffnung bringen.
– Große Dankbarkeit für ein grandioses Miteinander mit mir bis dahin unbekannten Menschen
– Große Zuversicht, dass in der Not so manches so gut funktioniert. Und die Sehnsucht, dass
dazu nicht immer eine Not nötig sein muss.
– Große Freude über ein unerwartetes Wiedersehen mit Pastorenkollegen aus ganz
Deutschland (danke, Friederike, Christian, Matthias!!!)
– Große Erleichterung, dass sich niemand aus unserem Team ernsthaft verletzt hat
– Ein ganz herzlicher Dank an die FeG Rheinbach und die EfG Siegburg mit ihren vielen Leuten,
ihr seid der Hammer!
– Respekt und Dankbarkeit für das unkomplizierte Miteinander mit dem THW und den
Baggerfahrern
– Gespannte Erwartung, wie es weitergehen wird.

Ich werde wiederkommen – spätestens zur Einweihungsparty!
Michael Bitzer, FeG Augsburg-Mitte

Was in vier Tagen passiert ist

Da ich seit einem Jahr keine Nachrichten im Fernsehen anschaue, habe ich über die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz über Facebook erfahren. Ich konnte mir aber keine Ausmaße der Katastrophe vorstellen. Dann las ich in einer E-Mail von der Evangelischen Allianz, dass im Hochwassergebiet ausgebildete Seelsorger gebraucht werden. Da ich kein ausgebildeter, sondern nur Hobbyseelsorger bin, habe ich gedacht, dass ich dort nicht gebraucht werde. Als mir meine Chefin aber erzählte, dass Pastor der FeG Augsburg Mitte nach Menschen sucht, die mit ihm zusammen das überflutete Gebiet besuchen möchte, um dort aktiv zu helfen, habe ich mich Fege dazu entschieden mitzufahren.
Wir waren am ersten August angereist und am zweiten war unser erster Einsatz-Tag. Zuerst haben wir einem Mann geholfen, die Fliesen in seinem Haus von den Wänden abzuschlagen und zu entsorgen, dann ging’s nach Altenburg zu betroffenen Haus, um den Schlamm aus dem Keller rauszuholen. Und was mich gewundert hat, dass gleich am ersten Tag und schon von der ersten Sekunde ein hervorragender Teamgeist vorhanden war, obwohl man sich untereinander noch gar nicht kannte. Eine Einheit, die uns durch die Not, die wir gesehen haben vereint hat.
Die Arbeit war verständlicherweise eine Drecksarbeit, aber niemand war sich zu schade, sie zu tun. Eher hatte jeder viel Spaß daran. Die Betroffenen haben sich bei solchen freiwilligen Helfern herzlich bedankt, aber der Satz: „Wenn ihr nicht gekommen wäret, dann hätten wir uns umgebracht!“ ging den Helfern unter die Haut. Wir waren Hoffnungsträger im wahren Sinne des Wortes. Allein könnte kein Betroffener sein Keller vom Schlamm befreien und Estrich stemmen.
Die vier Tage meines Einsatzes im Überschwemmungsgebiet haben mein Leben verändert. Ich habe wieder erfahren, dass gerade praktische Hilfe oft mehr bewegen kann, als wenn man nur mit Worten trösten würde. Ich kann daher jeden ermutigen, sich auf den Weg zu machen und zu helfen. Die Hilfe wird immer noch benötigt!

Wendet euch an das Helfer Netzwerk!

Viktor Schwabenland